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Liebe den Tod! Töte die Liebe...?

Da mir im Moment für nen vernünftigen Eintrag Zeit und Geduld fehlen, ich hier aber mal wieder Leben reinbringen wollte, gibt's heut eine meiner Geschichten (wegen weiterer Gedichte ringe ich noch mit mir^^')

Der folgende 'Monolog am Grab der großen Liebe', wie ich ihn mal getauft hab, ist in einer Nacht entstanden (irgendwann 2009) und liegt mir doch relativ am Herzen...   Es gibt dazu auch eine Entstehungsgeschichte, aber die erzähl ich hier jetzt nicht... 

 

 

Sterben!

Das wolltest du immer. Das sagtest du mir schon sehr früh…

Anfangs nahm ich es nicht ernst, doch mit der Zeit wusste ich, dass es der tiefste Wunsch deines Herzens war, diese elende Welt mit einem Lächeln auf den Lippen zu verlassen.

 

Jetzt stehe ich hier auf dem Friedhof, eine einzelne blutrote Rose in meinen von Wind und Schnee eiskalten Händen. Ein wunderschöner Marmorengel steht auf deinem Grab, er würde dir gefallen. Er ist nicht so kitschig wie viele andere.

Stolz schaut er in die Ferne, so wie du es tatest, als du auf dem Dach standst. Wenn ich ihn anschaue, denke ich an Luzifer, den gefallenen Engel. So warst auch du, ein Engel mit schwarzen, blutbefleckten Flügeln… schön und einsam wie die Nacht.

 

Sie ließen mich nicht zu deiner Beerdigung, doch nun hier zu stehen, können sie mir nicht verbieten. Man erzählte mir, was der Pfarrer gesagt hat. Er hat dich nicht gekannt… niemand hat dich gekannt. Ich bin froh, dass ich nicht da war. Ich wäre vermutlich ausfallend geworden. Jetzt allein hier zu sein, an dem Ort, den du schon im Leben so liebtest, macht mich glücklich. Ich kann wieder mit dir allein sein, dir alles erzählen.

 

Meine langen schwarzen Haare wehen mir ins Gesicht. Es fehlt mir, wie du sie immer durch deine Finger hast fließen lassen. Und mir fehlt es, deine wunderschönen Haare zu berühren. Dich zu berühren. Deine Lippen zu spüren und deinem Atem zu lauschen…

Ich wusste ja, dass es irgendwann vorbei sein würde und doch trifft es mich nun, wo es so weit ist. Verzeih mir, dass ich um dich weine. Meine einzigen Tränen gehören dir allein, ich kann es nicht ändern.

 

Eine alte Dame kommt vorbei, ich kenne sie. Sie will vermutlich zum Grab ihres Mannes. Als sie mich sieht, schaut sie mich herablassend an und eilt dann, so schnell es ihr in ihrem Alter noch möglich ist, vorüber. Eigentlich sollte ich diese Blicke gewohnt sein und doch verletzt es mich heute. Sie wird es bestimmt im Dorf herumtratschen. Deine Eltern werden es bald wissen, dass ich hier war… Doch was soll’s noch, ändern können sie es nicht mehr.

 

Seit deinem Sprung gibt man mir die Schuld an allem. Ist das nicht amüsant?!

Sie machen es sich wieder einmal einfach, zeigen mit dem Finger auf mich, wenn ich vorüber gehe. Sie stecken die Köpfe zusammen oder beschimpfen mich wüst. Ich soll dich verführt haben.

Diese Menschen tun mir Leid. Sie wissen nicht, was es heißt zu lieben. Ich dagegen werde immer lieben. Bei dem Gedanken bahnt sich erneut eine Träne ihren Weg meine Wange hinunter. Sie wird nicht die Letzte sein.

 

Mein Kajal ist schon ganz verlaufen. Du sagtest immer, dass es dir gefällt, wenn ich so aussehe. Du mochtest das Leid, welches dieser Anblick widerspiegelte. Und gelitten habe ich viel… Doch werde ich auch in Zukunft leiden und dann wird niemand da sein, der sich an meinem Anblick auf diese Weise erfreut.

Freuen werden sie sich alle, wenn ich leide. Keine Frage. Nur wird es keine Freude sein, wie du sie empfunden hast. Es wird die tiefste Schadenfreude. Und sicher werden sie nur darauf warten, dass ich dir folge, doch den Gefallen tu ich ihnen nicht.

Du wirst noch auf mich warten müssen…

 

Ein tiefschwarzer Vogel setzt sich auf einen Flügel deines Engels. Er komplettiert das Bild. Lässt dein Grab perfekt aussehen, hier im zarten, weißen Schnee.

Wenn du es doch nur sehen könntest… So ein schönes Grab gibt es kein zweites Mal. Doch warte, es fehlt ein winziges Detail. Aus meiner Manteltasche ziehe ich deine Kette.

Ich mache einen Schritt nach vorn. Gebe dem Anhänger einen Kuss und lege die Kette dann dem Engel an. Je länger ich ihn ansehe, desto mehr Ähnlichkeit bekommt er mit dir… Der Wille zum frei sein, der sich in seinem Blick erkennen lässt. Das lange, wehende Haar. Die stolze Körperhaltung. Ob du dort, wo du jetzt bist, auch so wundervolle große Flügel trägst?! Ich hoffe für dich, dass sie schwarz sind, damit sie zu dir passen.

 

Den Platz vor dem Schulgebäude haben sie gesperrt. Man kann noch immer dein Blut auf dem Asphalt erkennen. Ein Meer aus Blumen und Kerzen ist um die Absperrung herum entstanden. Plötzlich vermissen dich alle. Selbst jene, die deine Existenz am liebsten ignoriert hätten, als du noch bei uns warst. Ich bin umgeben von Heuchlern, doch das wusste ich ja schon immer. Es finden sich dort auch Zettel. Auf vielen steht ‚Warum?’. Wenn sie dich gekannt hätten, wüssten sie die Antwort. Ich kenne sie, doch niemand fragt mich. Hält man doch vielerorts mich selbst für den Grund.

 

Deinen Brief trage ich immer bei mir. Niemals wird ihn ein anderer zu Gesicht bekommen. Ich danke dir für deine Worte. Du bist auch die Liebe meines Lebens. Egal wie die Gesellschaft uns nannte, ich habe dich nie verleugnet und werde es auch niemals tun.

Aber was soll diese Frage?! Wie könnte ich dir böse sein. Ich wusste doch von Anfang an, worauf ich mich einlasse. Ich wusste, dass du gehen würdest. Und ich weiß, dass du damit glücklich bist. Dieses Wissen macht auch mich glücklich. Du bist jetzt besser dran.

 

Ich muss nun Pläne schmieden. Sag mir doch, wie ich uns in den Köpfen der Menschen halten kann! Ich will nicht, dass man uns als Paar vergisst. Diese Genugtuung gönne ich ihnen nicht. Man versucht schon jetzt in deiner Familie, uns tot zu schweigen.

Doch immer soll man sich an uns erinnern! Zumindest einen Teil deines wahren Ichs sollen die Menschen hier im Kopf behalten, wenn sie dich schon nicht völlig akzeptieren konnten.

 

Mittlerweile starre ich abwesend auf die Rose, die ich immer noch in Händen halte. Ich sehe dabei meinen abblätternden schwarzen Nagellack. Deinen hat man dir wohl nicht gelassen. Ich seufze schwer. Nicht einmal zu deiner Beerdigung konnten deine Eltern dir deinen Style lassen. Dabei musst du doch dort, wo du nun bist, gut aussehen.

 

Ein kurzes Lächeln huscht über meine Lippen, als ich mir vorstelle, wie du in der Hölle auf Männerfang gehst. Ob dir da unten wohl Luzifer begegnet? Ich hoffe für dich, dass er so hübsch ist, wie wir ihn uns immer vorstellten.

Ob du wohl wirklich in der Hölle bist? Hinter dem Rücken deiner Familie behauptet es hier jeder. Ihre Beschreibung dieses Ortes klingt für mich wie das Paradies. Dort wirst du sicher Gleichgesinnte treffen.

 

Ich muss mich nun verabschieden mein Liebster. Ich will weg sein, bevor deine Familie mich von hier verscheuchen kann.

Ich lege die Rose nun endlich auf den Sockel des Marmorengels. Ich gehe ein Stück rückwärts und schaue ihm noch einmal ins Gesicht. Er schaut wirklich so wie du.

Dann wische ich mir die letzte Träne aus dem Gesicht. Drehe mich um und verlasse diesen Ort. Ich werde nicht wieder kommen, doch wir sehen uns, wenn ich bereit bin zu sterben.

 

Am Ausgang des Friedhofs ruft mir ein Junge ‚Schwuchtel!’ hinterher. Ich beachte ihn nicht. Stecke meine vor Kälte zitternden Finger in meine Manteltaschen. In der linken Tasche kann ich deinen Brief fühlen. Daraufhin hebe ich den Blick vom Bürgersteig und schaue stolz in eine ungewisse Zukunft. Bis wir uns wieder sehen!

29.3.11 02:56
 


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